Die Crux mit dem Bio-BoomHeinrich Thiemann von Wiesengold ist derzeit der größte Hersteller von Bio-Eiern in Deutschland, zu seinen Kunden zählen die großen Supermarktketten. Das Idyll vom Bio-Bauern, der noch jedes seiner Hühner mit Namen kennt, ist für ihn eine Illusion. Nur mit einer geradezu industriellen Produktion lässt sich der gestiegene Bedarf an Bio-Produkten heute überhaupt noch decken.
"Der Bio-Markt ist aus seiner Nische herausgekommen. In Deutschland werden immer mehr Bio-Produkte verlangt, auch im normalen Lebensmittel-Einzelhandel. Darum müssen wir andere Strukturen schaffen, um diese Nachfrage täglich zu bedienen", sagt Heinrich Tiemann, Geschäftsführer von Wiesengold.
Wachsender Bedarf Der Bedarf an Bio-Produkten wird noch weiter steigen. Auch weil Discounter wie Aldi, Penny und Plus immer häufiger "Bioprodukte" anbieten. Das sechseckige EU-Bio-Siegel soll dem Kunden zeigen: Diese Produkte kann man mit gutem Gewissen genießen. Doch ist das wirklich so? Ernährungswissenschaftlerin Annette Sabersky geht mit WISO einkaufen, sie kennt sich mit Lebensmitteln und ihren Inhaltsstoffen aus. In einem Erdbeer-Joghurt zum Beispiel kommt der Geschmack nicht nur von reifen Erdbeeren, sondern ebenfalls von einem Aroma, wie es kleingedruckt in der Zutatenliste steht. "Denken Sie nicht, dass die natürlichen Aromen aus frischen Erdbeeren stammen. Diese werden in der Regel aus pflanzlichen Stoffen gewonnen, zum Beispiel aus Lignin, das ist ein Holzstoff. Und das erwartet man natürlich nicht in einem Erdbeer-Jogurt und schon gar nicht in einem Bio-Erdbeer-Jogurt", sagt Annette Sabersky.
Appetitliches AussehenIn einer Bio-Schlagsahne findet Annette Sabersky den Zusatzstoff Carrageen, dieser lässt die Sahne wochenlang appetitlich aussehen. Dazu Annette Sabersky: "Der wird eingesetzt, damit sich das Fett nicht oben auf der Sahne absetzt." In der Wissenschaft ist Carrageen umstritten.
"Wenn sie solche Produkte bei hohen Temperaturen sehr lange köcheln, dann können Bruchstücke der Carrageene entstehen. Diese Bruchstücke haben sich im Tier-Experiment als toxikologisch bedenklich erwiesen", sagt Dr. Hermann Kruse von der Universität Kiel.
Kruse erklärt weiter: "Bei den Tests konnte gezeigt werden, dass die Bruchstücke das Immunsystem schwächen und auch zu Geschwüren führen können. Selbst beim Menschen hat man beobachten können, dass durch diese Abbauprodukte des Carrageens auch vorhandene, chronische Darmentzündungen sich verschlimmert haben."
Bedenkliches Pökelsalz Anderes Beispiel: In einer Wurst steckt Natriumnitrit, auch Nitritpökelsalz genannt. Dieser Konservierungsstoff hält viele Bio-Wurstsorten frisch. Wenn zu viel davon in der Wurst steckt, kann dieses Natriumnitrit jedoch gefährlich sein. “Es kann im Magen mit anderen Produkten zur Bildung von hochgiftigen Nitrosaminen kommen. Wir wissen in der Toxikologie sehr genau, dass diese Nitrosamine eindeutig beim Menschen krebserzeugend sind", so Dr. Hermann Kruse.
Erlaubte und verbotene ZusatzstoffeProdukte mit dem EU-Biosiegel sind offenbar nicht ohne Risiko. Verbraucherschützer fordern schon lange, fragwürdige Zusatzstoffe in Bio-Produkten zu verbieten. Andere große Bio-Siegel legen strengere Richtlinien an. Das EU-Bio-Siegel erlaubt großzügig 47 Zusatzstoffe, darunter auch die fragwürdigen Carrageen und Nitritpökelsalz. Das Siegel "Bioland" erlaubt nur 25 Zusatzstoffe. Darunter fallen nicht Carrageen und Nitritpökelsalz, sie sind verboten. Und beim Anbauverband Demeter gibt es gar keine Zusatzstoffe.
"Das EU-Biosiegel ist eine Basisqualität und insofern kann man sich hier verlassen auf bestimmte Kriterien wie keine Gen-Technik, Tierschutz und ähnliches. Aber es ist eben nur eine Basis-Qualität - nicht mehr und nicht weniger", sagt Barbara Hohl von Foodwatch. Markus Resch und Christina Maria Pfersdorf Quelle: http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/23/0,1872,5247511,00.html |
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