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Raffinierte Öle
Lebensmittel oder Mittel zum Zweck?
Wer gut schmiert, der gut fährt, lautet eine alte Lebensregel im Umgang mit der Obrigkeit.
Mittlerweile erfolgte ein Bedeutungswandel. Das richtige Öl in der Küche soll heutzutage den Stoffwechsel schmieren, nicht nur gut schmecken, sondern möglichst auch noch gesund machen. Doch wie ist das mit den Speiseölen, die wir im Supermarkt erwerben? So (aus der Fernsehwerbung) bekannte Marken wie Livio, Biskin oder auch Becel um nur einige zu nennen. Sind diese Öle kalt gepresst, oder wie entstehen diese “hochwertigen” Speiseöle? Eine kleine Aufklärung vom Ernährungswissenschaftler Udo Pollmer:
“Zur Vorbereitung werden die Sojabohnen, Distelsaaten oder Maiskeime gereinigt und mit Dampf oder Wärme konditioniert. Der richtige Wassergehalt erleichtert die darauf
folgende Extraktion. In explosionsgeschützten Extraktionsanlagen wird das Öl mit Leichtbenzin herausgelöst. Pressen ist einfach zu unwirtschaftlich, weil zuviel Öl im Presskuchen zurückbleibt. Bei der Sojabohne, der wichtigsten Ölsaat in Deutschland, mit ihrem niedrigen Fettgehalt von nur etwa 20 Prozent wäre eine Pressung vergebliche Liebesmühe. Die Extraktion dagegen erlaubt eine vollständige Gewinnung des Fettes.
Das Leichtbenzin-Öl-Gemisch, der Chemiker spricht von der "Miscella", wird destilliert. Übrig bleibt ein Öl, das so nicht für unsere Erä¤hrung
geeignet ist. Deshalb müssen solche Öle raffiniert werden, das bedeutet: entlecithinieren, entschleimen, entsäuern, bleichen und auch noch desodorieren.
All das dient dem Zweck, möglichst sämtliche Begleitstoffe
des Öls zu entfernen, weil sie irgendwie stören. Entweder sie schmecken schlecht oder sie sind bei der weiteren Verarbeitung, überwiegend zu Margarine, technisch hinderlich.
Die Entlecithinierung, erforderlich vor allem bei Soja- und Rapsöl, ist
denkbar einfach. Durch Zugabe von Wasser lässt sich der Großteil der Lecithine abtrennen. Später werden sie aufbereitet und als Emulgatoren beispielsweise der Margarine zugesetzt.
Während der anschließenden Entschleimung zersetzt Phosphorsäure die restlichen Lecithine, Wachse oder Eiweiße. Sie würden sich sonst im Laufe der Zeit als "schleimiger" Niederschlag am Flaschenboden absetzen. Dem Öl tut diese Behandlung nicht sonderlich gut. Sie fördert die Bildung freier Fettsäuren, die widerlich kratzig schmecken. Hier hilft das Entsäuern durch Zugabe von Natronlauge. Die freien Fettsäuren reagieren mit der Lauge zu Seifen, die sich als "Soapstock" absetzen.
Bleichen erfolgt durch Zusatz von Bleicherden. Diese binden vor allem Farbstoffe wie Carotine und Chlorophyll. Der abgefilterte Rückstand
landet auf der Mülldeponie. Jetzt ist das Öl schön farblos, wie der Verbraucher es angeblich verlangt - der Geschmack lässt aber noch zu wünschen übrig. Außerdem müssen die letzten Reste des
Lösungsmittels entfernt werden.
Da leistet die Desodorierung ganze Arbeit: 250 Grad Celsius heißer Wasserdampf reißt alle flüchtigen, riechbaren Stoffe mit sich. Nach dieser Prozedur könnte das Öl schon in den Handel gelangen.
Gewöhnlich soll ein gutes Salatöl "kühlschrankfest" sein. Schließlich stört es den Käufer, wenn sein Öl in der Kälte dickflüssig wird und nicht mehr
richtig aus der
Flasche läuft. Sogar das dünnflüssige Sojaöl kann betroffen sein. Es enthält bisweilen etwas Linolensäure, die seine Haltbarkeit stark einschränkt. Deshalb wird das Öl auch schon mal wie Margarine teilgehärtet, um es zu stabilisieren. Das schränkt aber die Kühlschranktauglichkeit ein. Infolgedessen werden die entstandenen höherschmelzenden Anteile wieder entfernt. Das Verfahren heißt "Winterisierung". Das Öl wird gekühlt und die festen Bestandteile abzentrifugiert. Ein Zusatz von Lösemitteln erleichtert das Ausflocken der störenden Fettbestandteile.
Kaltgepresste unraffinierte Öle sind auf dem Markt eine große Ausnahme. Da der deutsche
Gesetzgeber den Begriff "kaltgepresst" nicht präzise definiert hat, werden viele der so genannten "kaltgepressten" Öle bei Temperaturen von über 60 Grad Celsius gewonnen. Anschließend erfolgt nicht selten eine Teilraffination, um durch schonendes Dämpfen unangenehme Geschmacksnoten zu entfernen. Nach dem geltenden Recht dürfen solche Öle als "unraffiniert" angeboten werden.
Kaltgepresste Öle schmecken weder ranzig noch bitter, noch haben sie einen brandigen Nachgeschmack. Gewöhnlich zeichnet sie eine saubere, typische, aromatische
aber nicht penetrante Note nach der Ölfrucht aus. Ausnahmen sind Mandelöl (schmeckt nach einem Hauch Mandeln), Rapsöl, Senföl und Leinöl (schmecken intensiv).
Vielfach wird vor dem Erhitzen kaltgepresster Öle gewarnt, weil sich dabei gefährliche Zersetzungsprodukte bilden sollen wie etwa das Acrolein. Würde das der
Wahrheit entsprechen, so wären vor allem raffinierte Öle tabu, schließlich sind sie nicht selten Herstellungstemperaturen von über 200 Grad Celsius
ausgesetzt. Schädliche Stoffe bilden sich, wenn die Öle anfangen zu rauchen oder zu schwelen, zum Beispiel wenn man wegen eines Telefonanrufes vergaß, die Herdplatte abzustellen - nicht aber bei üblicher Verwendung in Topf oder Pfanne. Lediglich Leinöl und Rapsöl taugen nicht zum Braten.
Viel Aufwand
also, um der Natur ein Schnippchen zu schlagen und auch den letzten Rest von wertvollen Bestandteilen wie zum Beispiel Vitaminen oder anderer, der Gesundheit zuträglicher Inhaltsstoffe zu entfernen um ein reines, klares, kühlschrankfestes und ultrahocherhitzbares Speisefett zu bekommen. Damit die Hersteller dann behaupten können, dass ihr Öl gesund sei, werden teilweise wieder künstlich Vitamine zugesetzt.
Wer es aber natürlich mag, der sollte die raffinierten Speiseöle aus seiner Küche verbannen.
“Chefköche nehmen Biskin!” hieß es vor Jahren in der Fernsehwerbung. Wir wissen von einer
Hotelkette in Berlin, die zum Kochen, Braten, Backen ausschließlich Olivenöl empfehlen: Tun Sie es auch, dann leben Sie mit Sicherheit gesünder.
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