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"Man nehme die festen Bestandteile des Kärschlamms, ruhig auch das reichlich vorhandene Toilettenpapier, verkoche es zu Granulat und füge Sojaproteine hinzu." So beschreibt der Kritiker der
modernen Lebensmittelindustrie Hans-Ulrich Grimm im Bestseller "Die Suppe lügt" das Rezept für einen Fleischersatz, den sich ein japanischer Wissenschaftler gerade patentieren ließ. Zum Glück wollte er
damit kein Geld verdienen, sondern nur demonstrieren, dass das, was den Körper unten verlässt, in recycelter Form oben wieder eingeführt werden kann.
Auch wenn so ein Dreck bislang nicht auf Ihrem Teller landet: Lebensmittelingenieure sind nicht gerade pingelig. Kaum ein Abfallstoff, Mikroorganismus oder Tierprodukt scheint eklig genug, um
nicht in Konserven oder Süßwaren zu landen. Voraussetzung: Der Nahrungsmittelzusatz muss billig sein und einen guten Zweck erfüllen. Die kuriosesten Zusatzstoffe im Kurzporträt.
Haare optimieren Brötchenteig
Aus asiatischen Menschenhaaren oder aus Schweineborsten gewinnen Backmischungs-Hersteller den Eiweißbaustein Cystein.
Was steckt dahinter? Das "Mehlbehandlungsmittel" Cystein verhindert, dass der Teig an Maschinen kleben bleibt. Er sorgt dafür, dass Backwaren im Ofen ihre Form behalten und duftet
nebenbei auch noch appetitlich nach frisch gebackenem Brot.
Ist das gefährlich? Nein, nur ziemlich eklig.
Wo steckt's drin? In Keksen, Brot, Brötchen, Kuchen, kurz: Backwaren aller Art.
Wie erkennt man das? Auf verpackten Produkten steht "L-Cystein", "L-Cysteinhydrochlorid" oder "E 920". Wird der Stoff angeblich nur zugesetzt, um Knetmaschinen die
Arbeit zu erleichtern, findet sich kein Hinweis. Und beim Bäcker ist Information ohne-hin Mangelware: Offen verkaufte Ware muss nur in Ausnahmefüllen gekennzeichnet sein.
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Erdbeergeschmack aus Sägespänen
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Aroma-Techniker mixen Sägespäne, Alkohol, Wasser und einige streng geheime Zutaten, kochen das ganze liebevoll zu Erdbeeraroma.
Was steckt dahinter? Die Welternte von Erdbeeren reicht nicht ansatzweise aus, um den Heißhunger der Menschheit auf Produkte mit der roten Frucht zu decken. Und deshalb wird aus Sägespänen -
Abrakadabra - ein billiges Aroma. Mit leicht veränderten Zutaten auch in den Geschmacksrichtungen Himbeere, Vanille oder Kakao.
Ist das gefährlich? Es besteht ein Allergie-Verdacht. Sicher ist, dass Sägespäne-Aromen unsere Geschmackswelt verändern. Schon heute schmeckt vielen Kindern Erbeeraroma besser als frische Erdbeeren.
Wo steckt's drin? Fast überall, wo Erdbeere draufsteht: Fruchtjoghurt, Dessert, Gelee...
Wie erkennt man das? Wenn "natürliches Aroma" auf der Packung steht, ist durchaus Skepsis angebracht. So ist Holz zwar keine Beere, aber immerhin ein Naturprodukt.
Nur für Feinschmecker: Spinnenkäse
In Würchwitz bei Leipzig frönen Gourmets einer sehr speziellen Leidenschaft: Seit 500 Jahren wird hier der "lebendigste Käse der Welt" hergestellt: Den Milbenkäse bedeckt eine drei
Millimeter dicke Schicht aus mikroskopisch kleinen Spinnentierchen. Und anders als zum Beispiel beim Gouda sollte man diese Rinde auf jeden Fall mitessen.
Was steckt dahinter? Biologe und Landwirt Helmut Päschel bewahrt diese Tradition: Er bestückt Quark mit den Achtbeinern, die mit den Hausstaubmilben verwandt sind. Sie sondern Stoffe ab, die den
Käse reifen lassen (weitere Infos unter www.milbenkaese.de).
Ist das gefährlich? Ganz im Gegenteil: Angeblich schützt der Käse wie eine Hyposensibilisierung vor einer Hausstaubmilbenallergie. Und Milben-Junkies sprechen von einer potenzsteigernden Wirkung
- aber fragen Sie nicht nach wissenschaftlichen Studien.
Wo steckt's drin? Unbeabsichtigt auch in spanischem und französischem Käse, der in Erdkellern gereift ist. Außerdem können die kleinen Spinnentiere auf Trockenobst und in Mehlprodukten
herumkrabbeln.
Wie erkennt man das? Die Spinnen erkennt man mit bloßem Auge: "Zuckerkörner", die sich bewegen. Den echten Milbenkäse gibt's übrigens bislang nur in Würchwitz.
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Bodenpilz ersetzt Kokosraspel
Der Hefepilz Trichoderma viride lebt im Erdreich und zersetzt Holzbestandteile. Doch statt nur beim Recycling von Altpapier zum Zuge zu kommen, wird der Pilz auch von der Ernährungsindustrie ganz gezielt
eingesetzt.
Was steckt dahinter? Lebensmittelingenieure haben entdeckt, dass Ausscheidungen des Pilzes intensiv nach Kokosnuss schmecken.
Ist das gefährlich? Vermutlich nicht. Pilzallergiker sollten bei Kokosprodukten trotzdem genau auf die Packung schauen.
Wo steckt's drin? Kokosnüsse sind teuer - Pilzkulturen nicht. Daher ist die Wahrscheinlichkeit bei vielen "Exotik-Produkten" hoch (vom Schokoriegel bis zum Joghurt).
Wie erkennt man das? Wer Kokosprodukte kauft, die "natürliches Aroma" enthalten, kriegt im Zweifel eine Bodenpilz-Substanz.
Läuse färben Campari rot
Schauen Sie sich mal diese netten kleinen Cochenille-Schildläuse genau an, wie sie so niedlich auf einem Feigenkaktus kleben. Und vergessen Sie diesen Anblick lieber, ehe Sie an Ihrem nächsten
Campari-Soda nippen. (Bild HIER)
Was steckt dahinter? Auf Teneriffa und Lanzarote werden Kakteen und die Insekten speziell für die Farbstoffindustrie gezüchtet. Aus den getrockneten Läuse-Weibchen wird mit Wasser ein knallroter
Farbstoff, die Karminsäure, herausgelöst. Als Karminrot ist sie seit Jahrhunderten bekannt.
Ist das gefährlich? In seltenen Fällen kann Karminrot Immunreaktionen auslösen.
Wo steckt's drin? In so ziemlich allem, was rot ist: Campari, Backwaren, Marmelade, in Wurstspezialitäten aus Spanien, Portugal, Frankreich oder Dänemark und Lippenstift.
Wie erkennt man das? Auf der Verpackung steht "E120", "Cochenille", "Echtes Karmin" oder "Karminsäure". Dies alles ist nicht zu verwechseln mit
"E124" oder "Cochenillerot A", denn das ist ein künstlicher Farbstoff.
Schimmel macht Limo frisch
Schimmelpilze und Bodenbakterien dienen als Fabriken für preiswerte Geschmacksstoffe wie beispielsweise Zitronensäure.
Was steckt dahinter? Zitronensäure peppt nicht nur den Geschmack auf, sie hemmt auch das Wachstum von Keimen und macht Lebensmittel dadurch länger haltbar.
Ist das gefährlich? Überreaktionen können auftreten, wenn Pilzbestandteile oder Sporen in das Lebensmittel geraten.
Wo steckt's drin? In Süßigkeiten, Limonaden und Cola, aber auch in Fischkonserven.
Wie erkennt man das? Auf der Verpackung steht "Citronensäure" oder "E 330". Nach deutschem Recht muss Zitronensäure aber nicht unbedingt deklariert werden.
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Algen helfen Gulasch in die Dose
Braunalgen aus dem Meer lassen sich in Alginate ummodeln - gelbildende, lösliche Ballaststoffe. Auf gut Deutsch: Geliermittel.
Was steckt dahinter? Im Sprachgebrauch der Nahrungsmittelhersteller sorgen Alginate für "Stabilität". Sie machen Pudding fest und Suppen dick. In der Praxis werden damit zum Beispiel Gulaschsuppen so
lange angereichert, bis die Fleischstücke nicht mehr zu Boden sinken. Nur so kann man das Gulasch gleichmäßig auf die Dosen verteilen.
Ist das gefährlich? Verbraucherschützer warnen, Alginate könnten mit anderen Stoffen gesundheitsgefährdende Substanzen bilden.
Wo steckt's drin? In Gelees, Marmeladen, Puddings, Konserven und vielem mehr.
Wie erkennt man das? Die Alginate müssen nicht in der Zutatenliste erscheinen, weil sie nach dem Eindosen durch Hitze wieder zerstört werden. Wenn die Algenstoffe jedoch das Endprodukt festigen, dann ziert die
Verpackung eines der Kürzel "E 400" bis "E 405".
Blumenpulver macht Eidotter gelb
Blumen bringen Farbe ins Leben. Und nicht nur dahin: Geflügelfarmer mischen ein Extrakt der gelben Tagetes in das Hühnerfutter.
Was steckt dahinter? Macht Eidotter schön gelb und die Hühnchenhaut appetitlich. Als weitere bunte Zutaten dienen rotes Paprikapulver und synthetische Farbstoffe wie beispielsweise Apo-Esther und
Citranaxanthin.
Ist das gefährlich? Wahrscheinlich nicht.
Wo steckt's drin? In nahezu jedem Hühnchen und jedem Ei, das nicht aus ökologischer Tierhaltung stammt.
Wie erkennt man das? Futtermittel müssen auf dem Endprodukt nicht angegeben sein. Indizien sind Farbkreise im Eidotter, die durch ungleichmäßige Fütterung entstehen.
Kadaver im Gummibärchen
Geschlachtete Tiere werden bis ins Kleinste ausgenutzt. Wird Knochenmehl oder Haut von Rindern und Schweinen hydrolysiert, gekocht, gelaugt, angedickt, entfärbt, gereinigt und getrocknet, erhält man Gelatine.
Was steckt dahinter? Wieder gefärbt, aromatisiert und in eine nette Form gepresst, feiert das tote Tier Auferstehung als niedliches Gummibärchen.
Ist das gefährlich? Befürchtungen, Gelatine übertrage BSE, sind unbestätigt.
Wo steckt's drin? Fruchtgummi, Pudding, Tortenguss, Arzneien, Kosmetika...
Wie erkennt man das? Gelatine muss immer dann in der Zutatenliste eines Lebensmittels auftauchen, wenn es Überbleibsel aus Tierkadavern enthält.
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